Liest man viele erotische Romane oder Liebesromane fällt einem eines ganz schnell auf.

Jungfrauen sind voll im Trend! Aber wieso?

Ich gebe zu, wenn ich einen Young Adult Roman lese, in dem die Protagonisten um die 16 oder 17 Jahre sind und noch zur Schule gehen, sich dort auf dem Schulhof kennen lernen und heimlich knutschen, passt es, wenn die Protagonistin noch Jungfrau ist. Und ja ich gestehe, auch ich habe meine 21-jährige Emma Cline aus der „Save Me Hill Reihe“ zur Jungfrau gemacht.

Aber wenn ich dann einen Erotikroman lese, wo die Protagonistin um die 30 Jahre alt ist und keinerlei Background hat, der ihre Abstinenz erklärt, dann wirkt das Ganze doch ziemlich gestellt. Eine 30-jährige wunderschöne Frau, die noch nie etwas mit einem Mann hatte? Nicht sehr lebensnah. Oft kommen dann Belästigungsgeschichten aus der Vergangenheit, was aber langsam auch mehr als langweilig wird, weil es in jedem zweiten Roman thematisiert wird.

Aber wenn Jungfrauen in gefühlt jedem zweiten Liebesroman vorkommen, muss es für den Leser doch einen bestimmten Reiz haben?

Vielleicht liegt es immer noch an der historischen Bedeutung der Jungfräulichkeit. Frauen wurden damals angehalten sich züchtig zu verhalten und keinen vorehelichen Sex zu haben. Dementsprechend macht eine Jungfrau in einem historischen Liebesroman absolut Sinn. In der heutigen Zeit nehmen wir aber in der Gesellschaft zunehmend Abstand von diesen Ansichten. Frauen kämpfen regelrecht darum, auch ihre sexuellen Neigungen ausleben zu dürfen, ohne verurteilt zu werden.

Und trotzdem wird es in vielen Romanen, die in der heutigen Zeit spielen, als erstrebenswert dargestellt, wenn die Frau noch „unberührt“ ist. Sie ist dann in der Regel dafür besonders klug, zurückhaltend, schüchtern und wunderschön. Also eine Frau, die nicht nur wegen ihrer schlechten Erfahrung mit Männern keinen Sex möchte, sondern weil ihr Charakter es auch nicht zulässt, derart aus sich herauszugehen. Sie will also auch nicht, bis

BOOM

dieser eine super-sexy-Milliardär um die Ecke kommt und sie aus den Latschen kippt. Plötzlich erfährt sie, dass sie doch Lust hat etwas zu wagen und auszuprobieren – jemanden näher zu kommen. Sie verändert sich, macht mehr aus sich und wird extrovertierter. (Auch so genutzt von „50 Shades of Grey“.) Mit dieser Entwicklung der Protagonistin haben wir also die Entwicklung der moderneren Vorstellung von Frauen und Sexualität. Sie kann nun alles ausprobieren, ihre Gelüste erforschen und wird dafür von dem Mann ihrer Träume auch nicht getadelt (solange er mitmachen darf ;))

Somit gibt es in den Liebesromanen mit Jungfrauen die Geschichte der Gesellschaftseinstellung zu Frauen und Sex auf 400 Seiten zusammengefasst.

Dazu kommt, dass unser Held der Geschichte, dadurch noch etwas sympathischer wirkt. Er war schließlich derjenige, der diese Begierde und Offenheit in ihr ausgelöst hat. Er muss sie folglich auf eine bestimmte Art und Weise berührt haben, die sie über ihre Lebenseinstellung nachdenken lässt und sie dazu bringt, sich zu öffnen. Und wenn man mal ehrlich ist, ist das doch wunderschön und in einem guten Buch bei einem regnerischen Sonntagnachmittag die perfekte Geschichte.

 

Übrigens, was der Chauvinist zu Jungfrauen zu sagen hat, kann man bei wikihow lesen. Da heißt es: „Insbesondere Jungfrau Frauen geben exzellente Ehefrauen und Mütter ab aufgrund ihres sanftmütigen und liebevollen Wesens. Ihr Perfektionismus ist ein Gewinn in der Küche und sie sind nicht zu schade dafür, ein Zimmer zu streichen oder Möbel zu beizen.“

In dem Sinne sollte meine nächste Jungfrau-Protagonistin wohl kochende Handwerkerin werden. Tja, schade, dass ich die Story um Emma in „Save Me Hill“ schon geschrieben hatte. 😀

 

PS: Meinen allerersten Liebesroman habe ich mit 12 Jahren bei Karstadt gekauft, weil er nur 2,99 € gekostet hat und ich gerade Langweile hatte, weil meine Mutter Handtücher gekauft hat. “Einfach sexy!” Ich finde den zweiten Band, obwohl er alle Klischees erfüllt, immer noch total schön. Es ist und bleibt einfach mein “Erster”.

 

In dem Sinne, alles Liebe

Deine Sophia

Kategorien: Blog

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