Nein, heißt Nein!

Unter diesem Aufschrei, setzte man sich für eine Gesetzesänderung des Sexualstrafrechts ein, um die Rechte von Opfern zu stärken. Die sexuelle Selbstbestimmung ist einer unserer wichtigsten Rechtsgüter und sollte gefördert werden. Da stimmt wohl jeder zu. Doch in Liebesromanen mit Erotik gilt ein ganz anderer Trend.

In Liebesromanen – gerade mit BDSM-Elementen – legt der Mann grundsätzlich ohne Einwilligung der Frau los und macht auch ohne ihre Einwilligung weiter! Sie sagt dann so Dinge wie „Nein, bitte hör auf damit. Das ist mir zu viel. Das habe ich noch nie gemacht. Oh … Nein.“. Er macht trotzdem weiter und tadaa… sie erfährt eine sexuelle Revolution und ist nebenbei noch total verliebt …

HA, denken sich da der Chauvinist. Das kleine Frauchen braucht eben klare Anweisungen, um im Leben zurecht zu kommen und ab und zu auch ein wenig Prügel. Ganz nach dem Motto der Ärzte: „Manchmal haben Frauen ein kleines bisschen Haue gern.“ Also wird bei der Weihnachtsfeier heftig gegrabscht und ein Kommentar zu ihrem Arsch abgegeben. Im echten Leben folgt jedoch eine Anzeige, die Kündigung und Hartz IV. Liebe wird sich wohl gegenüber der Sachbearbeiterin, die ihn als „nicht vermittelbar“ einstuft nicht einstellen …

Aber wieso lesen wir trotzdem so gerne Liebesromanen mit grenzüberschreitenden Sexszenen, obwohl wir in der Realität ein derartiges Verhalten abstoßend finden?

Die Antwort ist einfach. Es ist einfach mega scharf.
Wir lesen über diesen reichen, sexy Millionär, der die Frau dominiert und ihr zeigt, was sie will, bevor sie selbst weiß, was sie will. Und das ist scharf!

Während Frauen im echten Leben schon froh sind, dass er nicht kommt, bevor sie kommt, ist das in Liebesromanen völlig normal. Liest man in jedem Buch, ist also langweilig.
Wir brauchen etwas Neues. Schon tritt die BDSM-Welle ein und es wird gespankt und gepeitscht, was das Zeug hält. Liest man in jedem erotisch angehauchten Roman, ist also langweilig.
Also setzen wir eins drauf. Wir lassen die Frau nicht mehr „Bitte, mach weiter, ich halt es nicht mehr aus.“, schreien, sondern „Nein, hör auf.“.

Und BOOM …

Schon haben wir den erwünschten Effekt bei dem Leser. Zwiespalt. Eigentlich will sie das doch gar nicht, und der Leser mit ihr auch nicht. Aber gleichzeitig ist da dieser super heiße Millionär, der nur sie will und das eben in Handschellen mit wundem Po. Und obwohl sie erst Nein schreit, kommt plötzlich ein JA! Sie will mehr, sie will es härter. Am Ende gehen beide noch zusammen in einen passenden Club und schon hat man 600 Seiten nur zu diesem Thema gefüllt.

Der Leser wird damit von seinem inneren Konflikt befreit. Denn jetzt wollen es ja beide. Es kommt dazu, dass Intimität zwischen den Protagonisten entsteht, weil er ihr gezeigt hat, was sie braucht, ohne dass sie es selber wusste. Auf dieser Basis entsteht Vertrauen, was sich nun in alle anderen Lebensbereiche mit einbinden lässt. Er übernimmt Kontrolle und weil sie ihm vertraut, kann sie sich fallen lassen. Er nimmt ihr den Druck des Alltags, unterstützt sie, positioniert sich als liebevoller Partner, obwohl er im Bett ein Tier ist. Ein Urvertrauen entsteht, der Leser ist hin und weg und legt friedvoll das Buch weg, während er sich eine Träne verdrückt.

Das Ganze auch in der Realität?

Aber nein lieber Chauvinist, deswegen will deine Frau nicht von dir geschlagen werden und du kannst auch nicht deiner Sekretärin plötzlich unter den Rock packen. Denn so schön, das alles in Liebesromanen aussieht, so hart ist die Realität.

Wenn dich dein kahlköpfiger Chef mit Haxenplautze auf eine Konferenz nach Bautzen einlädt, ist das Ganze nicht halb so erotisch wie in den Büchern. Die meisten  Männer können dich nun mal nicht beim Sex gegen die Wand drücken, um dir das Gefühl zu geben, gefangen und gleichzeitig beschützt zu sein. Und der eigene Mann ist meist auch nicht mehr so sexy, wenn man zuvor seine Unterhosen mit Bremsstreifen gewaschen hat. Sexuelle Wünsche kann er schon mal gar nicht erraten, wenn er nicht mal ein passables Weihnachtsgeschenk hinbekommt. Und wenn man dann verkehrt herum, an einem Karabinerhaken in dem heimischen Schlafzimmer hängt und einem der Eintopf vom Mittagessen übel aufstößt, denkt man sich, was lese ich da nur für einen Quatsch!

Aber genau deswegen gibt es diese Bücher ja und genau deswegen sind sie so beliebt. Der normal lebende Bürger kann Sex in einer verbotenen, verwegenen Art miterleben, ohne selbst aus seinem Sessel aufstehen zu müssen. Wir können uns als Leser  auspeitschen und schlagen lassen, bis sich die Haut abpellt und eine Sekunde später aufstehen und die Kinder ins Bett bringen. Als Leser ist alles möglich.

Erleben ohne zu leben!

Das ist die Devise. Und deswegen sind Liebesromane mit erotischem Anteil auch so eine wunderbare Sache. Das sag ich natürlich als Autorin ganz uneigennützig. 😉

Alles Liebe

Deine

Sophia

Kategorien: Blog

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