Liebesromane und Erotikromane entführen vornehmend Frauen in eine andere Welt. Eine Welt mit einem Überschuss an Liebe, Romantik, Leidenschaft und Geld.

Dem schnöden Alltag entfliehen, das ist an sich etwas Schönes. Für 3 Stunden dem nervigen Arbeitsstress und den Familienverpflichtungen entkommen und einfach mal von dem perfekten Drei-Tage-Bart-Millionär träumen, der multiple Orgasmen sammelt wie andere Briefmarken.

Doch gerade bei jungen Lesern im Young Adult Bereich stellt sich mir die Frage, ob die gekünstelte Welt der Liebesromane nicht auch gefährlich ist. Birgt es ein Risiko, dass man in diesen Genre in eine so eine verzehrte Welt abdriftet?

 

Klar, jeder Protagonist hat auch bestimmte Makel, die ihn für den Leser sympathischer machen sollen. Aber darüber hinaus, sind die meisten Figuren in Liebesromanen wunderschön und schlank. (Außer bei Don Both, die das Thema sehr schön aufarbeitet in Immer Wieder.) Zudem sind sie meist gebildet und extrem ehrgeizig, wie bei Hardline. Und wenn sie dann aufeinandertreffen, haben sie wunderbaren Sex mit mehreren Orgasmen. (Wobei die Frau oft die arme Jungfrau darstellt und der Mann der reiche Millionär, der schon durch alle Betten gehüpft ist, jetzt aber gewillt ist mit der einen richtigen Frau eine feste Bindung einzugehen.) Deshalb kann das Klischeeweibchen ihren Job aufgeben und Kinder bekommen. Dass sie eine jahrelange Ausbildung hinter sich hat und zuvor alles in ihre Karriere gesteckt hat, ist sofort vergessen.

Wenn ich so etwa lese, stellt sich mir unweigerlich die Frage, was das mit jungen Lesern macht.

Die sozialen Medien wie Facebook und Instagram werden heftig kritisiert, weil sie falsche Erwartungen in den Konsumenten schüren. Höchst gefährlich im Zeitalter der SelfLoveBewegung! Doch bei Liebesromanen scheint sich kaum jemand diese Frage zu stellen. Junge Frauen lesen von der einen perfekten Liebe, für die man sich auch mal schlagen oder betrügen lassen kann. Schmerz und Leid wird schnell vergessen, denn letzten Endes ist sie doch die Eine, die ihn ändert und rettet. Für ihn schmeißt sie ihren Job hin, für ihn vernachlässigen sie ihre Familie und Freunde. Da kann man doch nur den Kopf schütteln.

Dabei will ich nicht alle Bücher über einen Kamm scheren und auch nicht allen Lesern die Reife absprechen, Fiktion und Realität voneinander zu trennen. Vielmehr ärgert mich der Young Adult Bereich, in dem gezielt junge Leserinnen von 14 – 18 Jahren angesprochen werden, die gerade ihre ersten Erfahrungen mit Männern machen und nun mit so einem Bild von Liebe und Sexualität aufwachsen.

Hier wünsche ich mir von den Autoren und Verlagen ein Umdenken.

Dazu habe ich gerade in einer Zeitschrift ein sehr interessantes Interview gelesen. Darin erzählte eine Autorin, ihr Buch wurde von einem Verlag abgelehnt, weil der Mann in ihrer Geschichte die Frau nicht schlecht genug behandele. Überhaupt sei ihre Frau zu „unabhängig“. Wenn ich so etwas lese, macht mich das unheimlich wütend.

Aber vielleicht sehe ich das Ganze auch zu verbohrt. Ich habe meinen ersten Liebesroman auch mit 14 Jahren gelesen und darin hat zwar keiner seinen Job hingeschmissen, aber es gab auch einen völlig überzogenen Mr. Perfect, der reich, gutaussehend und eine Granate im Bett war. Und trotzdem bin ich nicht der Meinung, dass es den einen perfekten Mann gibt – im Gegenteil, ich bezweifle sogar, dass es einen gibt, der nicht völlig gestört ist 😉

Vielleicht sind meine Bedenken übertrieben, sicherlich gibt es viele die dieses Thema anders sehen. Man könnte auch meinen neben den vielen Serien und Filmen, die die gleiche verzehrte Realität zeigen, machen die Bücher auch nichts mehr aus. Lass mich wissen, was Du von dem Thema hälst, ich freue mich, über jede Meinung!

 

Alles Liebe
Deine Sophia


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